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Musikschulen in Niedersachsen
Informationen des Landesverbandes niedersächsischer Musikschulen e.V.
   9. September 2010

Die Musikschulen in Niedersachsen

Im Landesverband niedersächsischer Musikschulen sind 72 öffentliche Musikschulen organisiert, die Mitglied im Verband deutscher Musikschulen (VdM) sind. Rund 2.500 Fachlehrkräfte unterrichten kontinuierlich mehr als 80.000 Schülerinnen und Schüler in wöchentlich 35.000 Unterrichtsstunden flächendeckend an über 700 Standorten in Niedersachsen. Der jährliche Gesamtumsatz beträgt ca. 65.000.000 Euro – 50 % davon werden von den Nutzern der Einrichtungen erbracht, der Rest wird durch öffentliche Zuschüsse von Kommunen und Land (45 %) sowie durch Spenden und sonstige Mittel (5 %) gedeckt.

Welche Aufgaben übernehmen Musikschulen heute?

Die im Landesverband niedersächsischer Musikschulen organisierten Musikschulen sind gemeinnützige Einrichtungen der Musikalischen Bildung für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die auf kommunaler Ebene einen öffentlichen Bildungsauftrag erfüllen.
Sie führen Menschen jeden Alters, unabhängig von deren sozialer oder kultureller Herkunft, zu sozialverträglichen Konditionen an die Musik heran. Sie regen Musikalität an, finden und fördern musikalische Begabungen und Hochbegabungen, leiten zum aktiven Musizieren an und ermöglichen ihren Schülern den Zugang zu lebenslanger Freude durch Musik.
Sie bieten Musikalische Früherziehung, qualifizierten Instrumental- und Vokalunterricht, bereiten auf ein Musikstudium vor und ermöglichen das gemeinsame Musizieren in Orchestern, Chören, Bands und Ensembles.
Vielerorts haben sich Musikschulen zu kulturellen Zentren entwickelt, die das Musikleben in Städten, Gemeinden und Landkreisen entscheidend mitgestalten.
Die Musikschulen agieren am Puls der Zeit und liefern durch Projektarbeit wertvolle Beiträge zu Sozialisations- und Integrationsprozessen junger Menschen. Musikschulen kooperieren mit allgemein bildenden Schulen, Musikvereinen, Jugendzentren, Volkshochschulen und anderen Institutionen. Von den Musikschulen betreute Bläser- und Streicherklassen gehören schon fast zum Standardangebot allgemein bildender Schulen. Durch die Zusammenarbeit von Musikschulen und Kindertageseinrichtungen konnten bereits zahlreiche Erzieherinnen im Bereich der Elementaren Musikerziehung fortgebildet werden, damit Musikmachen und Singen auch in den KiTas wieder zum elementaren Bestandteil der Betreuung werden kann.

Inwieweit gibt es Veränderungen zu vergangenen Jahren?

Die bildungspolitischen Diskussionen haben zu einem klaren Bedeutungszuwachs der Musikschulen geführt. Unter anderem durch die viel zitierte Bastian-Studie ist man ist zu der Erkenntnis gelangt, dass Musizieren nicht nur musikalische und kulturelle Kompetenzen vermittelt, sondern gleichzeitig Gemeinsinn, Kreativität, Selbstbewusstsein und die Leistungsfähigkeit der Kinder steigert. In vielen Kindergärten und Grundschulen muss dieser Erkenntnis noch Rechnung getragen und Musik wieder einen festen Platz im Stundenplan bekommen.. Hier können sich die Musikschulen verstärkt engagieren, was vielerorts bereits umfassende Strukturveränderungen nach sich gezogen hat: steigende Schülerzahlen der Musikschulen im Elementar- und Primarbereich verbreitern die Basis sowohl der Alters- als auch der Unterrichtspyramide enorm. Es gibt heute deutlich mehr Gruppenunterrichte als früher, die Belegungszahlen für Einzelunterricht sinken demgegenüber. Um so mehr greifen wiederum spezielle, u.a. vom Land und von Sponsoren unterstützte Programme, um auch die optimale Förderung musikalisch talentierter und leistungsfähiger Kinder sicherzustellen. Auch Erwachsene und Senioren finden zunehmend den Weg in die Musikschule. Hier wurden in den letzten Jahren marktorientierte Angebote entwickelt. Veränderte Marktsituationen und neue Herausforderungen werden stärker denn je unter dem Qualitätsgesichtspunkt angenommen. Zahlreiche niedersächsische Musikschulen nahmen an einem Zertifizierungsprogramm nach dem EFQM-Excellenz Modell teil und erwarben ein Qualitätszertifikat des Verbandes deutscher Musikschulen (QsM-Qualitätssystem Musikschulen).


Was bringt der Unterricht in einer Musikschule den Mädchen und Jungen?

Musizieren, ob allein oder in der Gruppe, macht Spaß und ist ein universelles Verständigungsmittel zwischen Menschen unabhängig von deren geographischer, religiöser und sozialer Herkunft. Gemeinsame Erfolgserlebnisse fördern Selbstbewusstsein, Toleranz und Offenheit . Musik hat einen hohen Stellenwert bei Kindern und Jugendlichen. Über den Musikgeschmack definiert sich oftmals die Zugehörigkeit zu sozialen Gruppen und die Entwicklung sozialer Identität. Betraf dies früher hauptsächlich den Bereich des passiven Musikkonsums, beobachten wir heute eine Veränderung und damit einhergehend auch einen Imagewandel für das aktive Musizieren. Galt Geige oder Klavier spielen früher noch als uncool, erfahren Kindern und Jugendlichen in ihrer Gruppe heute deutlich mehr Respekt und Anerkennung für ihre musikalisches Hobby. Sie werden mutig und lernen Musik und das Musizieren als halt gebende Instanz in schwierigen Lebensphasen kennen. Über die bereits beschriebenen Effekte hinaus wirken sich die in der Musikschule erworbenen Fähigkeiten und Kompetenzen auch positiv auf die persönlichen und beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten aus. Darüber hinaus haben musisch-kulturell interessierte und auch ausgebildete Jugendliche oft größere Chancen bei der Lehrstellensuche.


Wo stehen die Musikschulen in den nächsten zehn Jahren?

Der Boom, den die musikalische Bildung derzeit erlebt, wird genährt durch wissenschaftliche Erkenntnisse, politische Unterstützung und nicht zuletzt durch den Willen der Eltern, ihren Kindern eine gute und umfassende Bildung zu ermöglichen. Auch zukünftig verlangt dieser Bereich öffentliche Aufmerksamkeit und verantwortliches Handeln aller Beteiligten. Die Musikschulen werden ihren Weg als Bildungspartner öffentlicher und privater Einrichtungen und Institutionen erfolgreich fortsetzen. Mit Unterstützung der Kommunen und des Landes werden sie jedem Kind in ihrem Einzugsbereich qualifizierte Angebote machen können und das kulturelle Leben vor Ort dadurch noch mehr als dies bisher schon der Fall ist, tragen. Als die Kompetenz- und Servicezentren der musikalisch-kulturellen Bildung werden sie lernen, sich neuen Herausforderungen zu stellen, um auch weiterhin flexibel und professionell auf die Bedürfnisse ihrer Partner und Kunden eingehen zu können.

Klaus Bredl
[Publiziert am 07.03.2008, 10:57 von Klaus Bredl, ]
 
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